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Wie Scott DeLong mit einem Ein-Mann-Startup 100 Mio. Dollar gemacht hat

Und das in nur zwei Jahren

Foto: Google+ / Scott DeLong
Foto: Google+ / Scott DeLong

Es klingt wie ein typische Geschichte aus dem Web-Business der letzten Jahre: ein Typ aus Ohio von Anfang 30 gründet Mitte 2013 ein Webunternehmen und verkauft es zwei Jahre später für 100 Millionen US-Dollar. Allerdings hebt sich die Geschichte von Scott DeLong, der Mitte 2013 die virale Medien-Website ViralNova gründete und sie zwei Jahre später für 100 Millionen US-Dollar an Zealot Media verkaufte, in einem Punkt deutlich von vielen anderen Geschichten ab – denn ViralNova wurde von DeLong als Ein-Mann-Unternehmen aufgebaut.

In einer Panel-Diskussion auf dem Macedonia Economic Summit 2015 erläuterte Scott DeLong, dass er dadurch, dass er ViralNova ganz allein aufbaute, enorm flexibel war (ab 11:25 min):

Der ViralNova-Erfolg von DeLong zeigt, was ein Einzelner in der jetztigen Web-Ökonmie alles erreichen kann. Betrachtet man seine vorherige Web-Unternehmungen, so zeigt sich, dass dieser Erfolg aber nicht nur auf Glück beruhte, sondern ebenso auf einer ausdauernden unternehmerischen Tätigkeit mit einer ganzen Reihe von Projekten. Betrachtet man DeLongs Werdegang, so kann er geradezu als Idealtyp des neuen Web-Entrepreneurs gelten.

Frühere Web-Unternehmungen

Nach der Recherche von TheWire begann DeLong sein Web-Business 2006 mit der Video-Website NothingToxic.com. 2007 verkaufte er 80% der Anteile an der Site an ein russisches Unternehmen. 2008 wurde die Website schliesslich für 800.000 $ an Break Media verkauft. Danach begann er eine ganze Reihe weiterer Internetprojekte. Darunter befand sich auch die 2010 gestartete Website PublisherPoint, über die DeLong unter dem Pseudonym Drake Hunter angehende Web-Unternehmer dahingehend beriet, wie sie „truckloads of cash“ machen könnten. Als Referenz zählte er dort einige seiner Projekte auf:

  • „Mein größter Einzelerfolg war, eine Video-Website (prä-YouTube) für 100 $ aufgesetzt und sie schließlich 2008 für 800.000 $ verkauft zu haben. In der Zeit, in der ich sie besaß, machte ich mit ihr 55.000 $ Umsatz pro Monat.
  • Ich habe zwei extrem erfolgreiche Link-Websites gestartet. Mit Link-Site meine ich, dass sie einfach ein ‚Mittelmann‘ für Traffic zwischen anderen Seiten war. Ich hab eine im Mai 2006 gestartet und sie im Mai 2007 für 120.000 $ verkauft. Die andere hab ich im Juli 2007 gestartet und im Mai 2008 für 175.000 $ verkauft. Während ich die beiden Seiten besaß hatte ich mit ihnen 20.000 $ pro Monat gemacht.
  • Während des MySpace-Hilfsseitenwahns hatte ich auch eine gestartet [mywickedspace.com]. Ich hatte exakt 3 Stunden Arbeit reingesteckt und mit ihr 20.000 $ im Jahr gemacht. Ich habe immernoch Umsätze durch die Seite und hab sie schon seit Monaten nicht mehr besucht.
  • Im Mai 2009 hatte ich ein textbasiertes Browserspiel für 1.500 $ gestartet. Es machte ein Jahr lang 2.000-3.000 $ pro Monat bis ich dann mit anderen Dinge zu beschäftigt war und daher aufgehört hatte, mich darum zu kümmern. Es macht bis heute 500 $ pro Monat auf Autopilot.
  • Am 23. Dezember 2009 hatte ich als Experiment eine neue Video-Website gestartet, um zu sehen, ob es noch möglich war, damit Geld zu machen angesichts der Dominanz von YouTube. Sie aufzusetzen kostete mich 1.000 $ und sie brachte mir über drei Monate 1.000 $ pro Monat ein, bevor ich sie im April 2010 für 8.000 $ verkaufte.
  • In 2005, als ich mit meinen Forschungen begann, wie man online Geld machen kann, startete ich drei Websites in sehr obskuren Märkten. Jede Website hatte drei Seiten und brauchte etwa eine Stunde zur Erstellung. Ich hab seitdem nichts an ihnen gemacht und weiss ehrlichgesagt nicht mal mehr die FTP-Zugangsdaten zu ihnen. Das ist jetzt fünf Jahr her und sie bringen mir noch immer 100 $ pro Monat ein. Seit ihrem Launch sind es ein paar Tausend Dollar, was nicht schlecht ist für drei Stunden Arbeit.
  • Im August 2008 hatte ich eine Celebrity-Website für 50.000 $ gekauft [celebparasite.com]. Bis März hatte ich die 50.000 $ wieder aus und mache seitdem 2.000-6.000 $ pro Monat durch die Site.“

Ende 2010 startete DeLong die christlich-orientieren Websites GodVine, GodShare, ChristianHut und BiblicalVine. Die Themawahl entsprach dabei weniger seiner tiefen Überzeugung, als seinem unternehmerischen Gespür. Wie er später schrieb bestand hier eine Marktlücke: „Da war keine Nummer 1 für einige Jahre bis ich dort einstieg und ich übernahm irgendwie schnell den Markt mit einer Kombination von Innovation und Glück.“ Was DeLongs Websites von der Konkurrenz abhob war, dass er konsequent auf Social Media setzte. Vor allem GodVine, eine virale Video-Website, wurde innerhalb von zwei Jahren populär. DeLong postete auf ihre pro Tag fünf bis sechs inspririerende christliche Videos und verlinkte sie auf einer zugehörigen Facebook-Page. Diese Page hatte 2,8 Millionen Likes und brachte GodVine monatlich 3,5 Millionen Besucher. Monetarisiert wurde sie wie seine anderen Websites mit Anzeigen von Google Adsense.

Im Oktober 2012 verkaufte DeLong GodVine an das christliche Medienunternehmen Salem Communications für 4,2 Mio. $. Über diesen Verkauf schrieb er in seinem Blog: „Das bringt mich so ziemlich in eine Position, von der viele Menschen träumen – relativ jung, finanziell für immer abgesichert und nichts hält mich zurück. Seltsamerweise, so sehr das auch ein Segen ist, ist es doch auch eine große Herausforderung. Was soll ich jetzt tun? Wohin soll ich jetzt gehen?“

Wie TheWire zusammenfasst, war ViralNova die Synthese aus den Jahren der Erfahrung des Selfmade-Millionärs in SEO-getriebenem Content und verkörpert zugleich die Volatilität der Internet-orientierten Medien, durch die jemand ohne Venture Capital, Publizisten oder Journalisten mit großen Namen ganz allein eine enorm erfolgreiche Version von BuzzFeed oder Upworthy aufbauen kann.

Mit ViralNova 100 Millionen Unique Visits im Monat

Als Scott DeLong im Mai 2013 ViralNova auf Basis einer simplen WordPress-Plattform startete, waren BuzzFeed und UpWorthy bereits enorm erfolgreich und hatte mit etwa 60 Millionen monatlichen Visits die Reichweite von traditionellen Medien wie der New York Times. Doch der Zug der viralen Medienseiten rollte gerade erst so richtig an – und Scott DeLong sprang mit ViralNova rechtzeitig auf.

In den folgenden Monaten füllte DeLong die Website ganz allein mit Content, den er sich im Internet zusammensuche. Bisweilen arbeite 16 Stunden am Tag daran. Dabei war er so geschickt darin, gute Clickbait-Überschriften für die Artikel zu finden, dass viele Artikel über Facebook eine enorme Reichweite erreichten, die Website so immer bekannter machten.

Screenshot: ViralNova.com (November 2013)
Screenshot: ViralNova.com (November 2013)

Acht Monate nach dem Start hatte ViralNova bereits 100 Mio. Unique Visitors pro Monat und war damit nach BuzzFeed, dass zu diesem Zeitpunkt auf 140 Mio. Unique Visitors kam, eine der reichweitenstärksten Medien-Websites überhaupt. In einem Punkt unterschieden sich beide Sites jedoch erheblich: BuzzFeed erreichte dies mit hunderten Angestellten und einem mittleren zweistelligen Dollar-Betrag an Venture Capital, ViralNova wurde hingegen von DeLong ganz allein und ohne VC-Geld betrieben. Damit dies niemand merkte, hielt er die About-Seite von ViralNova sehr vage und antwortete auf ihr in den FAQ auf die Frage, wo das Unternehmen seinen Sitz hat mit den Worten: „Internet. Seriously, no office.“

viralnova-buzzfeed-visitors

Die Einnahmen durch die Adsense-Werbung, die DeLong mit ViralNova allein im Dezember 2013 mit ViralNova verbuchte, schätzte Business Insider auf 400.000 $. Möglicherweise waren die Einnahmen jedoch noch höher, denn Business Insider ging von 100 Mio. Visits im Dezember 2013 aus und schätzte auf dieser Basis die monatlichen Pageviews auf 100-200 Mio. Nach anderen Quellen erreichte ViralNova jedoch im Dezember 2013 insgesamt 80 Mio. Unique Visitors, was bedeuten kann, dass die ensprechende Anzahl der Visits und Pageviews noch weitaus größer war, als von Business Insider angenommen wurde.

Den phänomenalen Aufstieg von Mai bis Dezember 2013 konnte DeLong nur durch einen enormen Arbeitseinsatz erreichen. Noch immer war er der einzige feste Mitarbeiter von ViralNova, daneben arbeiteten nur zwei Freelancer ab und an für ihn. Auf Dauer war dies nicht durchzuhalten. Daher beauftragte er im Januar 2014 einen DomainBroker, um Interessenten für einen Kauf der Website zu finden. In einem Interview mit Nextshark erläuterte DeLong im Januar 2014 seine Verkaufsabsichten. Auf die Frage, ob er ein Serial Entrepreneur ist, antwortete er:

„Definitiv. Meine normale Business-Lebensspanne ist zwei Jahre. Ich mag es, hart an einem Projekt zu arbeiten und es so gut wie möglich zu machen, aber nach etwa zwei Jahren bin ich dann ausgebrannt und möchte aussteigen. Diesmal habe ich das schneller gefühlt, weil es sehr viel schneller gewachsen ist, als ich je erwartet hätte und ich habe ein überwältigendes Gefühl, dass dies nicht das ist, was ich mit meinem Leben auf Dauer tun will. Ich liebe es, neue Dinge zu starten.“

In einem Twitter-Interview mit Alyson Shontell erläuterte DeLong, warum er nicht wie andere Gründer nach der Bootstrap-Phase Mitarbeiter anheuern will, um das Startup zu professionalisieren:

Wie an dem oben gezeigten Chart sichtbar brachen die Unique Visits von ViralNova ab Februar 2014 merklich ein. Der wesentliche Grund dafür war eine Änderung im Newsfeed-Algorithmus von Facebook, durch den weniger ViralNova-Artikel viral verbreitet wurden.

Scott DeLong war sich sehr bewußt, dass ein Geschäftsmodell, dass auf viraler Verbreitung über Facebook aufbaut, äußerst fragil ist, wie er in einer Twitter-Post mit einem Bild verdeutlichte:

In einem Artikel auf CNBC warnte er jedoch davor, den Facebook-Algorithmus zu verteufeln.

Im Januar 2014 hörte der New Yorker Entrepreneur Sean Beckner von DeLongs Verkaufsabsichten und überzeugte ihn davon, ViralNova zu professionalisieren. Beckner kaufte Anteile an dem Startup und heuerte als CEO an, wie Business Insider berichtete. Ebenso wurden ein CTO, ein CFO und ein VP angestellt. Außerdem 15 Redakteure, die nun DeLong von der Erstellung der ViralNova-Artikel entlasteten und ihm die Möglichkeit für einen längeren Urlaub gaben. An Stelle von Adsense setzte das Startup nun auf Anzeigen-Netzwerke, die höhere Erlöse brachten. Nach Angaben von Business Insider erreichte ViralNova 2015 Einnahme in Höhe von 35 Mio. $.

Im März 2015 verglich Fortune in einer Analyse ViralNova und BuzzFeed und schrieb: „Jetzt ist ViralNovas Publikum mit 100 Mio. monatlichen Besuchern im selben Spielfeld wie BuzzFeeds Publikum mit 200 Mio. (Zum Vergleich, NYTimes.com, die führende Zeitung in den Vereinigten Staaten, kommt auf 28 Mio. monatlichen Besuchern.) Aber die Skala der Unternehmensoperationen ist Lichtjahre voneinander entfernt. ViralNova hat 24 Angestellte. BuzzFeed mehr als 875. BuzzFeed hat einen Werbeeinnahmen von 100 Mio. $ im letzten Jahre erreicht. ViralNova nutzt nur Werbe-Netzwerke, die etwas mehr als 10 Mio. $ einbrachten. ViralNova hat sich gegen die Aufnahme von Kapital von außen entschieden. BuzzFeed hat 96 Mio. $ bei einer von Bewertung von 850 Mio. $ aufgenommen.“ ViralNova hat damit deutlich gezeigt, dass man auch mit einem Bootstrapping-Ansatz sehr weit kommen kann.

Im Juli 2015 kam es dann aber zum endgültigen Exit von DeLong. Die Medien Holding Zealot Networks von Danny Zappin, dem ehemaligen Co-Founder und CEO der Maker Studios, übernahm ViralNova einem Cash-and-Stock-Deal, der nach Angaben von Business Insider einen Wert von 100 Mio. $ umfasst. Scott DeLong ist noch immer als Chief Strategy Officer für ViralNova tätig, plant aber bereits sicherlich wieder neue Projekte.

Abschließend noch ein Business-Ratschlag von Scott DeLong:

 

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